Alle Infos zu Bambus - der plastikfreien Alternative

In diesem Text wollen wir Dir Bambus, einen plastikfreien, natürlich nachwachsenden Rohstoff vorstellen. Hierzu werden wir Dir den Rohstoff Bambus inkl. Anbau, Umweltverträglichkeit und dergleichen erklären und auf seine Vorteile gegenüber dem handelsüblichen Rohstoff Plastik zu sprechen kommen. Wir werden dabei Themen wie Bio- oder Mikroplastik streifen und mit Dir detailliert diskutieren, warum Bambus alles in allem eine gute, plastikfreie Alternative darstellt.

Bambus – besser als Plastik?

Als Plastik - umgangssprachlich auch Kunststoff genannt – werden Stoffe bezeichnet, die aus Polymeren bestehen. Die Polymere können dabei aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen bestehen (und werden dann als Bioplastik bezeichnet) oder aber aus konventionellen Rohstoffen wie fossile Brennstoffe. Trotz der umweltfreundlicheren Alternative wird Plastik zurzeit fast ausschließlich (>95%) aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Damit ist Plastik Großteils ein endliches Produkt, das zudem noch in direkter Konkurrenz zur Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen steht.

Kunststoffe weißen jedoch eine hohe Stabilität verbunden mit einer ebenso hohen Formbarkeit aus, sind bruchfest sowie Temperatur- und chemisch beständig. Der Verwendungszweck von Kunststoffen ist dank dieser hervorragenden Eigenschaften vielseitig. Ob als Faser, Folie, Verpackungsmaterial, Textilfaser oder Kosmetika: Nahezu kein Produkt kommt mehr ohne zumindest ein bisschen Plastik aus. Nicht zuletzt deswegen nahm der pro Kopfverbrauch der Weltbevölkerung innerhalb der letzten Jahre kontinuierlich zu. Seit 1950 bis einschließlich 2015 wurden so zum Beispiel bereits über 8 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert.

Die Entsorgung von Plastik setzt zurzeit vor allem auf die Deponierung in Müllhalden (79%) gefolgt von der Verbrennung (12%). Lediglich 9% werden recycelt. Natürlich ist aber anzumerken, dass diese Prozentsätze stark landesabhängig sind und in Deutschland beispielsweise die Recyclingquote höher ist. 70% des Plastikmülls in Europa landet so auf Mülldeponien oder dient als Energieträger.

Weltweit akkumulieren Kunststoffe aber wegen einer nicht fachgerechten Entsorgung zunehmend in der Umwelt. Sie zerstören dabei Ökosysteme und treiben die Umweltprobleme weiter an. Dabei benötigt Plastik zwischen 450 bis 600 Jahre bis es nicht mehr in der Umwelt nachweisbar ist und somit nicht mehr die Umwelt belastet. Kein Wunder also dass es im Meer bereits gigantische Müllstrudel gibt. Auch am Strand sammelt sich mehr und mehr Plastikmüll an. Er macht mittlerweile bis zu 85% des gesamten Mülls an europäischen Stränden aus. Noch schlimmer ist dabei die Tatsache, dass 50% dieses Plastikmülls wiederum aus Einwegprodukten, d.h. aus Produkten, die nur einmalig verwendet worden sind, bestehen.

Plastikmüll am Strand

Gerade Einwegprodukten hat die EU inzwischen den Kampf angesagt. Sie plant eine Plastikmüllsteuer und das Verbot gängiger Einwegprodukte wie zum Beispiel Strohhalme oder Wattestäbchen. Ab 2030 soll zudem jede Kunststoffverpackung recyclingfähig sein. Aber Plastik bringt auch andere Probleme mit sich: Mikroplastik, Kleinstpartikel aus Plastik, entstehen beim Abbau von Plastik. Pro Jahr produziert so jeder Deutscher 4kg Mikroplastik, die sich kontinuierlich in der Umwelt anreichern. Der Großteil dieser 4kg entfällt dabei auf Abrieb durch Reifen. Manchen Produkten – Kosmetika und Pflegeprodukten – wird Mikroplastik gar vorsätzlich zugesetzt, um einen höheren Reinigungseffekt zu erzielen. Die Auswirkungen dieses Mikroplastik auf die Umwelt und uns sind noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist nur, dass eine Anreicherung in der Umwelt sowie in Tieren wie Fischen stattfindet. Dass Plastik zudem oftmals giftige Weichmacher oder Styrole enthält, verstärkt das Problem nur noch mehr.

Bambus – besser als Bioplastik?

Einer zunehmenden Beliebtheit erfreut sich der sogenannte Bioplastik. Auch wenn sein Markanteil noch verschwindend geringe 1,5-2% ausmacht, sind die Zuwachsraten doch enorm. Bioplastik wird auf Grundlage von nachwachsenden Ausgangsmaterialien wie Milchsäure oder Mais hergestellt. Damit ist er potentiell zu 100% abbaubar. Leider wird Bioplastik aber häufig noch konventioneller Plastik zugesetzt (und dies auch nicht immer an den Verbraucher exakt so kommuniziert). Die Zersetzung von Bioplastik in der Kompostierungsanlage ist abhängig von Faktoren wie der Temperatur, der Feuchtigkeit und der Zeit. Da kein rückstandsloser Abbau innerhalb der für Kompostierungsanlagen üblichen 6-8 Wochen möglich ist, muss er zurzeit noch über den Restmüll entsorgt werden, wo er zumeist der Energiegewinnung dient. Nimmt der Bioplastik jedoch zukünftig einen größeren Anteil am Gesamtmüll ein, wird er hoffentlich gezielt gesammelt und entsorgt.

Neben der Entsorgungsproblematik besteht noch das Problem, dass Bioplastik zurzeit noch vermehrt aus essbaren Pflanzen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt wird. Damit steht seine Produktion in direkter Konkurrenz zur Herstellung von Nahrungsmitteln. Außerdem müssen diese Pflanzen gedüngt, bewässert und mit Pestiziden gegen Schädlinge behandelt werden. Auch der Anbau in Monokulturen setzt gerade der Insektenwelt zu. Besser wäre es hier ausschließlich auf Abfälle der Land- und Forstwirtschaft zurückzugreifen. Gemeinsam mit einer besseren Abfallwirtschaft wäre Bioplastik alles in allem eine rundum biologische Alternative zu herkömmlichem Plastik.

Bambus – eine plastikfreie Alternative?

Bambus ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff organischen Ursprunges, der gezielt von Menschen angebaut und einen Verwendungszweck jenseits vom Nahrungsbereich zugeführt wird. Das Gegenteil von nachwachsenden Rohstoffen bilden die nichterneuerbaren Rohstoffe wie Öl oder Kohle. Sie besitzen ein endliches Vorkommen. Dieser Fakt hebt bereits den ersten Vorteil von Bambus hervor: Er besitzt kein Ablaufdatum, sondern kann dem Menschen noch in hunderten von Jahren zur Verfügung stehen.

Bei Bambus handelt es sich um einen holzähnlichen Rohstoff, der allerdings nicht aus Bäumen, sondern einer Süßgraspflanze gewonnen wird. Damit ist Bambus näher mit Mais oder Weizen verwandt als mit Bäumen. Seine hohe Stabilität hat der Bambus der Tatsache zu verdanken, dass er vergleichbar zu Holz durch Einlagerung von Lignin und Zellulose verholzt. Dank dieses Vorganges weist der Rohstoff hohe Produktgemeinsamkeiten mit Holz auf. Die Einsatzmöglichkeiten sind dementsprechend überlappend. Bambus ist sehr hart und dicht, zugleich leicht und flexible, langlebig wie auch robust und damit ein idealer Ausgangsstoff für zahlreiche Produkte. Neue Verarbeitungsmethoden wie zum Beispiel die Gewinnung von Viskose aus Bambus haben zudem den Markt an Bambusprodukten in den letzten Jahren fortwährend anwachsen lassen.

Bambus bildet aus einem unterirdischen Wurzelmeristem zahlreiche hohle oder vollmarkige Halme aus, die teils Verzweigungen aufweisen. Die Pflanze wird dabei teils bis zu 40m hoch und ist bis in einer Höhe von 4000m zu finden. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich mit Ausnahme von Europa und der Antarktis weltweit. Der in Europa handelsübliche Bambus stammt dabei zumeist von Kleinbauern aus China. Diese bauen den Bambus oftmals mit wenig Düngermitteln an und greifen nicht auf Pestizide zurück. Bambus ist nämlich eine sehr widerstandsfähige Pflanze. Die Auswirkungen des Bambusanbaus auf die Umwelt sind deswegen vergleichsweise als gering anzusehen.

Die Vorteile von Bambus gegenüber Holz

Zeit
Gegenüber Holz besitzt Bambus einige weitreichende Vorteile, denn Holz braucht vor allem eines: Viel Zeit. Gerade diese Tatsache lässt Holz oftmals unattraktiv gegenüber dem rasch produzierten Plastik erscheinen. Bambus hingegen ist ein im Verhältnis zu konventionellen natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen schnell wachsender Rohstoff. Dank eines enorm hohen Höhenwachstums (bis zu mehr als 1m pro Tag!) und der raschen Einlagerung  von Lignin und Zellulose, ist ein Bambushalm bereits nach 3-5 Jahren Ernte reif. Was im ersten Moment als ein langer Zeitraum erscheinen mag, wird dadurch relativiert, dass Hölzer mindestens 30 oftmals aber bis zu 50-80 Jahre bis zur Ernte benötigen.

Bambus Verarbeitung

Anbau
Ein weiterer Vorteil von Bambus gegenüber Holz: Da das großflächige Meristem ständig neue Triebe ausbildet, wird nie die ganze Pflanze, sondern nur einzelne Bestandteile gefällt. Die Pflanze an sich bleibt also ebenso intakt wie auch das Ökosystem Bambuswald. Studien ergaben beispielsweise, dass nach zwei Jahren Bambusanbaus bereits 70% weniger Erosion auftreten. Außerdem lagert Bambus während des Wachstums CO2 ein. Er ist damit CO2-neutral. Aber das ist noch nicht genug des Guten: Bambus produziert auch im Schnitt 45% mehr Sauerstoff als ein Standardbaum.

Ebenso wie Plastik wird Bambus zurzeit – noch – vor allem außerhalb Deutschlands produziert und hergestellt. Die Transportkosten schlagen bei beiden Rohstoffen noch negativ auf die Umweltbilanz auf. Potentiell haben hier die heimischen Hölzer die Nase vorne: Ihr Transportweg ist ungleich kürzer. Da die deutschen Wälder zudem nachhaltig bewirtschaftet werden, d.h. es werden nur einzelne Bäume aus dem Wald gezielt entfernt und zudem ständig Neupflanzungen durchgeführt, sind sie als ungleich besser als Bambus oder gar Plastik anzusehen. Allerdings können die deutschen Wälder unseren Bedarf an Rohstoff nicht decken. Wir sind folglich auf andere Alternativen angewiesen. Diese Alternative ist zurzeit noch Plastik, könnte aber in Zukunft auch Bambus sein.

Anbaufläche
Bei der Herstellung vom Bambus können je Hektar Anbaufläche 10 bis 15 Tonnen Biomasse pro Jahr gewonnen – wohlgemerkt bereits bei einem nachhaltigen Anbau, d.h. bei einem jährlichen Entfernen von 20-25% des Halmbestandes. Diese hohe Biomassenmenge liegt vor allem an der enormen Zuwachsrate von Bambus. Es legt jährlich 10-30% an Biomasse zu. Bäume kommen hingegen nur auf max. 5% Biomassezunahme pro Jah.  Damit bringt Bambus auf den Hektar gesehen gut die 20-fache Menge an Rohstoff hervor als Holz.

Nach der Ernte wird der Bambus getrocknet, zusammen gepresst, zurecht geschnitten und zuletzt geschnitten. So verarbeitete besitzt er eine jahrzehntelange Lebensdauer. Die Oberfläche von Bambus sowie seine sonstigen Produkteigenschaften sind vergleichbar zu denen von Hölzern. Er ist nur wesentlich homogener vom Äußeren, da er eine einheitliche Struktur mit wenigen Astlöchern besitzt. Preislich gesehen rangiert Bambus im Vergleich zu Hölzern in der mittleren Preisebene.

Bambus als Rohstoff – unser Fazit

Bambus ist ein toller Rohstoff. Er kann als Alternative zu herkömmlichem Plastik oder Holz oder zur Produktion von Biostoffen und Biofasern benutzt werden. Seine Beliebtheit ist vor allem auf seine rasche Erntereife zurückzuführen. Das macht Bambus auch ökonomisch zu einem beliebten Rohstoff, der das Potential hat den Druck von unsere Umwelt zu nehmen.